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Gemeinsam statt Einsam – über den Wunsch das Single-Dasein zu beenden
Die Zahl der Alleinstehenden hat in den letzten Jahren rasant zugenommen – allein in Österreich ist jede(r) vierte Single.1 Dennoch wünscht sich die Mehrheit der Ledigen wieder eine langfristige Beziehung – wie lässt sich das erklären? Was kennzeichnet den modernen Single und was kann man tun, um sein Single-Dasein zu beenden?
Eine aktuelle IFES-Studie, welche im Auftrag der Online-Partneragentur PARSHIP erstellt wurde ergab, dass nicht nur die Anzahl der Alleinlebenden in Österreich stark zugenommen hat, sondern auch die Dauer des Single-Lebens. Lebten 2006 nur 39% der befragten Singles mehr als drei Jahre allein, so waren es 2008 bereits 44,2% und 2010 stieg diese Zahl sogar auf beachtliche 53%. Es scheint, als ob das althergebrachte Modell der Kernfamilie langsam ausgedient hätte.  Wien über 60 %
Doch auch wenn sich das Bild der Singles in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert hat und diese heute überwiegend als attraktive, glückliche, aktive und erfolgreiche Menschen gelten2, so sind die meisten von ihnen dennoch nicht vollkommen zufrieden. Die Mehrheit der Singles wünscht sich eine dauerhafte Beziehung mit einem treuen, ehrlichen und humorvollen Partner. Das Single-Dasein stellt also nur einen vorübergehenden Lebensabschnitt dar, bei den wenigsten ist es eine gewollt langfristige Lebensform.3
Oftmals werden Singles als egoistische und karrieresüchtige Menschen dargestellt, die weder Zeit noch Lust auf ein traditionelles Familienleben haben. Monyk und Kunze widersprechen dieser Ansicht und denken, dass die Karriere in den meisten Fällen eher als Konsequenz des Alleinseins angesehen werden sollte, denn als Auslöser.4 Auch eine Untersuchung der Universität Graz lieferte die Erkenntnis, dass 49% der Singles durchaus dazu bereit wären sich zugunsten einer Partnerschaft in Beruf und Ausbildung einzuschränken.5 Dies zeigt deutlich, dass sich der Großteil der Alleinstehenden eine dauerhafte Beziehung wünscht, die Zunahme der Singles kann also nicht allein durch individuelle Beweggründe erklärt werden.6
Die Gründe für das Single–Dasein sind vielfältig, zahlreiche Theorien sind diesbezüglich im Umlauf. Die meisten Soziologen gehen davon aus, dass der moderne Wohlfahrtsstaat das Alleinsein begünstigt. Durch steigenden Wohlstand, mehr Sicherheit, eine wachsende finanzielle Eigenständigkeit sowie ein steigendes Bildungsniveau der Frauen wurden die Geschlechterrollen seit den 1960er Jahren neu definiert. Das Heiratsalter stieg an und die Geburtenrate sank sukzessive. Neben den hier erwähnten sozioökonomischen Veränderungen, kam es auch zu einem Normen- und Wertewandel.
In unserer heutigen globalisierten Welt werden immer mehr Flexibilität, Mobilität und beruflicher Ehrgeiz gefordert, was sich negativ auf Familiengründungspläne auswirkt. Familie und Tradition rücken immer mehr in den Hintergrund, außerfamiliäre Kontakte nehmen zu. Da diese jedoch meist nicht so stabil sind, kann es leicht zu Vereinsamung und Depression kommen. 7  

Auch die Medien und deren perfektes Bild des Menschen prägen nicht nur unser Selbstbild, sondern auch die Anforderungen an potentielle Partner. Seit den 1970er Jahren sind diese Ansprüche enorm gewachsen8, besonders in Österreich wird dies offensichtlich: hier leben laut Studien die anspruchsvollsten Singles Europas. Auch das Aussehen spielt hier eine größere Rolle als in den übrigen sieben untersuchten Staaten. 9
Die meisten Singles haben trotz des vielen Flirtens Schwierigkeiten ihre Kontakte zu vertiefen.10 Hinzu kommt, dass nur die wenigsten Alleinstehenden aktiv nach einem Partner suchen. Besonders weibliche Singles wollen meist „gefunden“ werden.11
Dies kann jedoch nur gelingen, wenn man sich der eigenen weiblichen Qualitäten und Stärken bewusst ist und genügend Selbstvertrauen besitzt, um diese gezielt einsetzen zu können. Das Single-Dasein sollte daher aktiv genutzt werden, um sich selbst ein wenig besser kennen zu lernen und an sich zu arbeiten. Je mehr man sich der eigenen Bedürfnisse bewusst ist und diese kommunizieren kann, desto eher wird man dazu in der Lage sein eine tragfähige Beziehung zu führen. Finden Sie daher in Seminaren oder Coachings heraus, was speziell Sie so besonders und liebenswert macht, denn: Nur wer sich selbst liebt wird auch von anderen geliebt werden!12



1 vgl. Parship (2010/11): Single-Studie. Telefonische Befragung durch IFES, Teilnehmer: 1.000 Personen in Österreich zwischen 18 und 69 Jahren; Befragungszeitraum: Dezember 2010. http://www.parship.at/pics/downloads/de_AT/Single-Studie-2011.pdf [Zugriff am 29.01.2011]

2 vgl. Bodmann, Maria Mechthild (2000): Dem Single-Dasein auf der Spur. Pädagogisch-psychologische Bedingungsfaktoren für Partnerlosigkeit im mittleren Erwachsenenalter. Marburg: Tectum Verlag., S.37

3 vgl. Bachmann, Ronald: Alleinleben als „Lebenskunst“. Empirische Ergebnisse zum Selbstverständnis von Singles im „Familienlebensalter“. In: Gräbe, Sylvia (Hrsg.): Lebensform Einpersonenhaushalt. Herausforderung an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Reihe: „Stiftung Der Private Haushalt“ Band 22, Campus Verlag; Frankfurt/New York 1994, S.94, 100; vgl. Küpper, Beate: Sind Singles anders? Ein Vergleich von Singles und Paaren. Hogrefe Verlag; Göttingen Bern Toronto Seattle 2002, S.219; vgl. Monyk, Elisabeth (2002): Lieber alleine oder zu zweit? Die individualistische Lebensweise von Singles und kinderlosen Paaren. Wien., S.145; vgl. Gerletz, Katharina; Jirosch, Angela; Jury, Martin; Rainer, Christoph; Schmid, Iris: Singles In: S.63-94. In: Beziehungsweise(n). Liebe und Partnerschaft im Wandel. Ergebnisse des Forschungspraktikums 2008/09 am Institut für Soziologie an der Universität Graz, S.82; vgl. Hradil, Stefan (2006): Werden wir alle Singles. In : Robertson von Trotha, Carolina Y. (Hrsg) (2006): Vernetztes Leben. Soziale und digitale Strukturen. Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft. Heft 12. S.77 – 86, Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK). Karslruhe: Universitätsverlag, S.83f.; vgl. http://www.focus.de/gesundheit/news/single-report-was-fehlt-sind-sex-und-zaertlichkeit_aid_358433.html [Zugriff am 29.01.2011]

4 vgl. Monyk, Elisabeth (2002): 195ff.; vgl. Kunze, Michaela (1995): Singles – eine qualitative Studie über die Motivations- und Bedürfnisstruktur alleinlebender Frauen und Männer in den 90er Jahren. Frankfurt am Main; S.116f.

5 vgl. Gerletz, Katharina; Jirosch, Angela; Jury, Martin; Rainer, Christoph; Schmid, Iris: Singles. S.84 In: Beziehungsweise(n). Liebe und Partnerschaft im Wandel. Ergebnisse des Forschungspraktikums 2008/09 am Institut für Soziologie an der Universität Graz, S.63-94.

6vgl. Bertram, Hans: Soziostrukturelle und regionale Differenzierung von Einpersonenhaushalten. In: Gräbe, Sylvia (Hrsg.): Lebensform Einpersonenhaushalt. Herausforderung an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Reihe: „Stiftung Der Private Haushalt“ Band 22, Campus Verlag; Frankfurt/New York 1994, S.74

7 vgl. Bodmann, Maria Mechthild (2000): S.20f., 33f.; vgl. Bertram, Hans (Hrsg.) (1995): Das Individuum und seine Familie. Lebensformen, Familienbeziehungen und Lebensereignisse im Erwachsenenalter. Leske + Budrich; Opladen, S.9; vgl. Luhn, Manuela (2004): Singles eine Gefahr für unsere Gesellschaft? Verdrängt die Neue Lebensform Single die Kernfamilie? Berlin: Humboldt Universität, S.5; vgl. Hradil, Stefan (1995): Die „Singles-Gesellschaft“, München, S. 74ff.; vgl. Pfau-Effinger (2000): Kultur und Frauenerwerbstätigkeit in Europa: Theorie und Empirie des internationalen Vergleichs. Opladen: Leske und Budrich. S.120, 231; vgl. Frau, Daniela (2007): Singles als Lebensform und Lebensphase. Eine theoretische und empirische Analyse zur Differenzierung und Ausbreitung von Singles. Zürich. Hausarbeit im Hauptfach Soziologie eingereicht bei: Prof. Dr. François Höpflinger Philosophische Fakultät Universität Zürich, S.33; vgl. Gräbe, Sylvia (1994): Lebensform Einpersonenhaushalt. Einführung in die Thematik, S.14 In: Lebensform Einpersonen-Haushalt. Herausforderung an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, Reihe „Stiftung Der Private Haushalt“ Bd.22, Frankfurt am Main, S. 7-22

8 vgl. Bodmann, Maria Mechthild (2000): S.34; vgl. Glauser, Andrea; Steinlin, Gaudenz; Tschirren, Karin (1999): Singles. Über Lust und Frust der Ungepaarten. Seminararbeit im Rahmen des Forschungspraktikums „Sexualität und Partnerschaft“ bei Dr. Axel Franzen. Institut für Soziologie der Universität Bern. S.8f.

9 vgl. Parship (2008): II. Europäische PARSHIP Single- und Partnerstudie 2008. http://www.parship.at/pics/downloads/de_AT/SinglestudieEuropaMediaSummary.pdf [Zugriff am 29.01.2011]

10 vgl. Monyk, Elisabeth (2002): S.185

11 vgl. Gerletz, Katharina; Jirosch, Angela; Jury, Martin; Rainer, Christoph; Schmid, Iris: S.82; vgl. Parship (2008)

12 vgl. Meyruhn, Meike: Neue Studie über Singles. Familie ist das höchste Lebensziel. Die Diplom-Pädagogin und promovierte Soziologin Sonja Deml (32) untersuchte die „Generation Einsam“. 20.03.2010: http://www.bild.de/BILD/lifestyle/singles/2010/03/studie-singles/familie-ist-das-hoechste-lebensziel.html [Zugriff am: 29.01.2011]

 
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